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Porträtbild von Ralf Schlatter

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Presseberichte

Zu «Verzettelt - Verlorene Worte und ihre Geschichten»

2. Mai 2009 20er, Tiroler Strassenzeitung Für sein neues Buch «Verzettelt» hatte der Schweizer Autor Ralf Schlatter eine außergewöhnlich gute Idee: Über Jahre sammelt er weggeworfene, liegen gelassene, vergessene oder verlorene Wörter in Form von Notizzetteln, Nachrichtenfragmenten und Brieffetzen. Daraus formt er kurze Geschichten, erfindet Kontexte, erdichtet ein Vorher und Nachher. Nicht zuletzt haucht er diesen gleichsam gestorbenen Wörtern neues Leben ein und findet Platz fürs Skurrile, Ausgefallene und humorvoll Verdrehte. Manche Geschichten finden Fortsetzungen, ziehen sich durchs ganze Buch, andere stehen für sich allein und einige werden doppelt erzählt – weil Ralf Schlatter die KollegInnen Ruth Schweikert, Franz Hohler und Christoph Simon um Gastgeschichten gebeten hat. Und gerade, wenn derselbe Zettel Ausgangspunkt für verschiedene Geschichten ist, wird das Projekt des Buches besonders sichtbar: Jene Möglichkeiten durchzuspielen, die in unserer so linear wirkenden Realität angelegt sind. Ebenso hervorragend wie unterhaltsam erzählt, zelebriert «Verzettelt» einen fantastischen Realismus auf Schweizer Art und ist mehr als nur ein Buch für zwischendurch.

23. Januar 2009
Surprise, Angezettelt

Mit «Verzettelt» hat Ralf Schlatter eine rechte Zettelwirtschaft angezettelt - und das zu unserem Vergnügen. Ein wundersames Sammelsurium von Kabinett- und Kabarettstückchen mit Gastschalkiaden von Ruth Schweikert, Franz Hohler und Christoph Simon. Allerlei Kurzweiliges und Hintersinniges, mal ausgelassen, mal melancholisch, mal schräg, mal bitter: medizinische Befunde, eine Kunstaktion zur Aufdeckung von Etikettenschwindel, eine Attentatsanweisung, die Aufdeckung des Ursprungs der Installation «Der Lauf der Dinge» von Fischli/Weiss, aber auch sogenannt Banales, kleine Dramen des Alltags oder unausweichliche Zufallsweichen. Manche Figuren kehren wieder - so die unverwüstlichen SMS-Fun-Girls Tanja und Paula - und es entstehen mitunter aus vermeintlich Unzusammenhängendem scheinbar logische Lebenspuzzels. Prädikat: Hoch ansteckend! Vor Fundzetteln aller Art wird gewarnt! Und vor dem sorglosen Umgang mit Zetteln nicht minder. Denn Vorsicht: Schlatter geht um! (Christopher Zimmer) 6. Juli 2008
Der Sonntag, Kreative Zettelwirtschaft

Ralf Schlatter ist ein Aufklauber. Zehn Jahre lang hat der Kabarettist und Autor aus Schaffhausen viele hundert Zettel gesammelt, verknitterte, zertretene, zerrupfte, achtlos fallen gelassene, schmerzhaft vermisste. Hat sie glatt gebügelt, zusammengeflickt, entziffert, vor allem aber bestaunt und sich von ihnen inspirieren lassen: Um das Gekritzel auf Einkaufszetteln, Kurznotizen, privaten Ermahnungen und Erinnerungen, Zeichnungen und Erläuterungen hat er Geschichten erfunden und Dialoge. Über 100 kleine Prosastückchen sind so entstanden, witzige, poetische, rätselhafte. Schlatters Zettelwirtschaft wirkt zum Teil wie ein Wettbewerb des Autors mit sich selbst oder freies Assoziationstraining. Aus banalsten Einkaufszetteln entwickelt Schlatter ganze Soziogramme, aus banalen Notizen bastelt er verwegene Verschwörungen, aus ein paar verkritzelten Käsekästchenrunden destilliert er mit leichter Hand ein fieses Familiendrama, aus anderen wieder handfeste Beziehungs- und Lebenskrisen. (...) «Verzettelt» ist ein schön gemachtes, abwechslungsreiches Werk, ein Schmöker mit Kleinstepen und angerissenen Universen, von denen manche sich fortschreiben möchten.

zum Hörspiel «Rumantsch grischun»

28. April 2006 Neue Zürcher Zeitung, Raffinierte Rächerinnen aus der «Hörstatt»

«Rumantsch Grischun» von Ralf Schlatter endet zwar auch mit einem raffinierten Racheakt, doch das Strickmuster des Stücks ist eher bunt, ein eigenwilliger Mix aus Krimi, Sitcom und Melodrama. Der Rätoromanischkurs, zu dem sich bloss zwei Schülerinnen einfinden, dient als Leitmotiv, das drei Menschen zusammenführt und die Handlung in Gang bringt, eine heitere Melodie, von grollenden Untertönen durchsetzt. Das tragende Element des Stücks aber ist das Spiel mit der Sprache, den Redensarten. Da steckt sein eigentliches Potenzial, da zeigt sich die Stärke des Autors: dass er dem Volk den Umgangston abzulauschen versteht, ein Ohr hat für die «Mödeli» der Leute. Ein Glanzstück ist etwa die Rolle der zwanzigjährigen Martina, die er Anna Katharina Rickert, seiner Partnerin im Kabarettduo «schön&gut», auf den Leib geschrieben zu haben scheint. Jedenfalls kann man sich die Kaskaden des jugendlichen Megageil- Vokabulars kaum authentischer vorstellen. Auch die rührenden Versuche der 67-jährigen Heide aus Deutschland, sich sprachlich anzupassen, sind bei Dinah Hinz bestens aufgehoben. Sie verleiht der nur scheinbar harmlosen Witwe, deren Mann in einer Lawine ums Leben kam, differenzierte Präsenz und bleibt glaubhaft auch da, wo die Rolle zu blossem Karikieren verführen könnte.

Keinen leichten Part hat René Schnoz als Vinzenz Padrutt. Voller Widersprüche, labil ist der Charakter dieses seltsamen Sprachlehrers, der bis zu einem Unfall vor fünf Jahren Skilehrer und Tourenleiter war. Meist gibt er sich launig, kann jedoch plötzlich in Schimpftiraden ausbrechen, als stehe er enorm unter Druck. Schnoz meistert die Ambivalenz der Figur bravourös. Auch die kleineren Rollen sind mit Charlotte Joss als Martinas Mutter und Marietta Jemmi als Papeterieverkäuferin überzeugend besetzt. Und der Autor selber bietet als Barman im Zug eine Probe.

zu «Maliaño stelle ich mir auf einem Hügel vor» 2. Juni 2004
Neue Zürcher Zeitung, Meere, Mythen, Mikros

«Ge-, Geschichten erzählen bringt Glück!», stottert der verstörte Held in Ralf Schlatters Romandébut «Federseel», das vor zwei Jahren erschien.